Bibellesen: Weit & Tief

Bibellesen: Weit & Tief

Ps. 119, 73 Deine Hände haben mich gemacht und bereitet; unterweise mich, dass ich deine Gebote lerne.

Ps. 119, 97 Wie habe ich dein Wort so lieb! Täglich sinne ich ihm nach.

“Lies die Bibel, bet jeden Tag.” Dieses Lied von Anton Schulte hat mich in meiner Kindheit begleitet. Von klein auf wusste ich, dass regelmäßiges Bibellesen gut für meine Beziehung zum Allerhöchsten ist. Aber ich wusste nicht wie ich die Bibel lesen sollte. Also las ich – unter Anleitung meiner Eltern – die Bibel, wie jedes andere Buch: Seite für Seite, oder besser: Kapitel für Kapitel. Und offen gesagt: Nicht selten fiel es mir deutlich schwerer als jedes andere Buch. 

Jetzt im Studium habe ich gelernt einen Text bis auf die griechischen und hebräischen Buchstaben zu sezieren, um ihn so gut wie möglich zu verstehen. So wichtig und hilfreich das auch ist – es ist nicht das, was Anton Schulte in seinem Lied beschreibt. 

Für mein geistliches Leben brauche ich mehr: Ich kann die Bibel nicht nur wie jedes andere Buch lesen – und ich darf sie auch nicht nur als wissenschaftliche Betätigung sehen: Sie muss mir zu dem Buch werden, durch das Gott, der Allmächtige redet. Erst dann ist Bibellesen mehr als reine Informationsbeschaffung. Die Bibel ist untrennbar mit ihrem Autor – dem Heiligen Geist – verbunden und birgt damit die Kraft tatsächlich lebensverändernd zu werden. Das geht weit über die Veränderung durch einen guten Ratschlag hinaus – das kann ja auch ein gutes Ratgeberbuch. Im Lesen der Bibel öffnet sich mir das Evangelium als Quelle der Kraft, weil sich mir Gott zeigt. Deshalb ist es lohnenswert die Bibel in Angriff zu nehmen!

Ziele dabei weit und tief.

Weit bedeutet: Lies große Abschnitte (oder höre sie in einer Audiobibel – die Bibel ist eigentlich ein Hör-Buch). Verschaffe dir einen Gesamtüberblick. Hier kann ein Bibelleseplan helfen. Studiere das Wort Gottes, so gut du kannst. Außerdem sind Hilfsmittel, wie ein Atlas, sehr nützlich. Immerhin ist Gottes Wort in Texten aus einer anderen Zeit und Umwelt überliefert.. 

Aber: Menge und Geschwindigkeit sind nicht alles. Schürfe auch tief – versenke dich in das Wort Gottes! Manchmal sind wenige Worte eine Kraftquelle für das ganze Leben.

Dazu finde ich eine Hilfestellung hilfreich, die schon aus der alten Kirche stammt und durch das Mittelalter bis zur Zeit von August Hermann Francke in allen christlichen Strömungen bekannt war: die lectio divina. Diese Methode besteht aus vier einfachen Schritten:

  1. Lies einen (kurzen) Abschnitt aus der Bibel aufmerksam – ohne Ablenkungen.
  2. Meditiere einen oder zwei Verse aus dem Abschnitt, die dich ansprechen. Meditieren bedeutet in christlicher Sicht: Einprägen, wiederholen und verinnerlichen. Sprich den Vers laut immer wieder, solange bis du ihn gut kannst. So kann er dich den Tag über (und länger) begleiten. Wenn du dann z.B. an der Haltestelle wartest oder alleine unterwegs bist: Rufe dir den Vers wieder ins Gedächtnis. Du wirst merken wie Gott redet und du von seinem Wort durchdrungen wirst.
  3. Bete. Antworte Gott auf sein Wort. Danke ihm, frage ihn nach der Bedeutung des Abschnitts und lobpreise ihn dafür, dass er dir sein Wort gibt.
  4. Verweile in der Gemeinschaft mit Gott. Stürze dich nicht direkt zurück in den Alltag. Wiederhole noch einmal der Vers. Halte eine Weile in Ruhe vor Gott aus, ohne etwas zu tun oder zu sagen. Bete noch etwas, wenn dir etwas in den Sinn kommt. 

Das Bibellesen ist also gar nicht zuerst eine lästige Pflicht, die es abzuhaken gilt – damit machst du dir die Freude nur kaputt. Lass dich auf dieses geniale Reden Gottes ein, dann entdeckst du Stück für Stück den Wert für dein Leben mit Gott im Alltag.


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