Der Wert der Kollekte

Der Wert der Kollekte

Dieser Moment im Gottesdienst, wenn der Beutel oder Korb herumgeht. Ist das für dich ein etwas unschöner Moment, der dich vielleicht aus der Anbetungsstimmung reißt? Aber ohne geht es ja auch nicht – irgendwie müssen wir ja den Pastor oder das Gebäude finanzieren. Ein notwendiges Übel.

Aber ist die Kollekte tatsächlich nur soviel wert, wie eingelegt wurde? 324,76€?

Die Kollekte macht reich

Die Kollekte ist kein notwendiges Übel. Sie ist ein ganz wertvoller Teil unserer gemeinsamen Anbetung. Im Gottesdienst erleben wir ganz dicht gedrängt unser tägliches Glaubensleben. Wir hören Gottes Reden in der Schriftlesung und Predigt. Wir antworten Ihm mit Lied und Gebet. Wir empfangen den Segenszuspruch Gottes. Wir bekennen unsere Schuld und erleben im Abendmahl, wie Christus sich selbst uns schenkt. Wir werden ermutigt unser Leben in Bezug auf Gott zu leben. Die Gnade und Güte Gottes fließt reichlich in einem solchen Gottesdienst.

Und der Apostel Paulus schreibt anlässlich einer Kollektensammlung:

Wie ihr aber in allen Stücken reich seid, im Glauben und im Wort und in der Erkenntnis und in allem Eifer und in der Liebe, die wir in euch erweckt haben, so gebt auch reichlich bei dieser Wohltat.
Nicht sage ich das als Befehl; sondern weil andere so eifrig sind, prüfe ich auch eure Liebe, ob sie rechter Art sei.
Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich würdet.

2. Korinther 8,7-9

Für Paulus gehört die Kollekte in die Reihe der Dinge, die uns geistlich reich machen. Mit Glaube, Wort, Erkenntnis, Eifer und Liebe werden wir in unserem persönlichen und auch in unserem gemeinsamen Glaubensleben beschenkt. Genauso gehört das freigiebige Geben dazu. Aber für Paulus ist das nicht etwas, wozu er die Leute mit der Moralpeitsche drängen muss. Denn das Geben (die Kollekte) macht reich in der Gnade Christi. (Es gibt aber keine Zusage, dass du dadurch materiell reich wirst!)

Die Kollekte ist Anbetung

So wie oben im 2. Korintherbrief zu reden ist für Paulus ganz natürlich. Das sehen wir am deutlichsten im Römerbrief Kapitel 12.
Paulus ruft die Römer dazu auf ihre „Körper als lebendiges Opfer“ zu geben, weil das der „vernünftige Gottesdienst“ (oder moderner: Die wahre Anbetung) ist.

Wenn wir von Anbetung reden, meinen wir meist etwas was wir denken, fühlen oder sagen: Lieder, Gebete, ein „Herz der Anbetung“ … All das ist richtig und wichtig, aber wenn ich Paulus lese, dann schwingt da etwas ganz anderes mit: Körper. Wir vergeistlichen unsere Anbetung gerne, aber bei Paulus klingt es ganz handfest – leiblich. Und ich glaube wir lernen hier etwas über das Menschenbild der Bibel. Wir sind eben nicht eine Seele gefangen in einem Körper. Wir sind eine Ganzheit, das körperliche gehört genauso dazu. Ja wir funktionieren so, dass uns unsere Körperlichkeit zur geistlichen Anbetung führt. Es heißt: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist“ und nicht „Stellt euch vor, wie freundlich der Herr ist“. Und deswegen ist es für uns ja auch so hilfreich, wenn unsere Lieder nicht nur guten Text (geistlich), sondern eine gute, passende Melodie (leiblich) haben.
Deshalb essen wir Brot und trinken Wein oder Traubensaft beim Abendmahl und stellen es uns nicht nur vor. Der Reformator Calvin ist völlig davon überzeugt, dass sowohl die leiblichen Dinge wie auch die geistlichen unseren Glauben nähren und stärken.

Genau deshalb schreibt Paulus davon, dass er die Liebe der Korinther prüfen will. Hier geht es nicht um Werkgerechtigkeit. Hier geht es um Liebe. Und Liebe die nur Bekenntnisse und warme Gedanken kennt, ist billig. Liebe, die handelt, schenkt und opferbereit ist, ist tief und fest.
Die Kollekte erinnert uns handfest daran, dass die Liebe großzügig und opferbereit ist.

Die Kollekte ist Absage an deine Götzen

Jesus sagt einmal: Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. (Mt6,24)

Unser Besitz (=Mammon) kann mit der Position Gottes konkurrieren, wenn wir unsere Hoffnung auf Sicherheit und Versorgung an unseren Besitz hängen. Und dafür ist es völlig egal, ob du 20€ oder 200.000€ besitzt.

Die Kollekte ist ein Ort, an dem du ganz bewusst immer wieder dem Vertrauen auf deinen Besitz absagen kannst. Indem du großzügig gibst, richtest du dein Herz aus, Gott in allem zu vertrauen – egal ob du grade knapp bei Kasse bist oder Überfluss hast.

Was machen wir aus der Kollekte?

An den Gottesdienstleiter:

Lieber Leiter des Gottesdienstes: Schätze die Kollekte wert!

  • Mache die Kollekte (wenn möglich) zum Teil jeden Gottesdienstes. Sie ist ein wertvoller Teil der Anbetung!
  • Lass dir nicht einreden, die Kollekte würde Leute verschrecken. Denn in der Kollekte geht es nicht um das eingelegte Geld, sondern um das Herz. Wenn das im Gottesdienst klar wird, dienst du den Teilnehmern damit. Dann sagt die Kritik – es ginge ja immer nur ums Geld – mehr über das Herz des Kritikers aus, als über die Gottesdienstgestaltung!
  • Leite die Kollekte ein mit Worten der Anbetung Gottes. Lenke die Aufmerksamkeit nicht vorrangig auf die Notwendigkeit (weil die Gemeinde Rechnungen bezahlen muss, oder weil die Missionare sonst nicht leben können etc.), sondern auf das Privileg, wie Christus ein Geber zu sein. Das Geben macht unseren Glauben reich.
  • Räume der Kollekte genügend Zeit und Aufmerksamkeit ein: Sprich deine einleitenden Worte von einer guten Position, nicht schon im Laufen oder hastig zwischen zwei andern Punkten. Mach nicht schnell, schnell. So wie du ja auch die Schriftlesung nicht beginnst mit: „Ach ja, jetzt noch schnell die Schriftlesung“ und sie dann völlig hastig runterratterst.

An den Teilnehmer des Gottesdienstes

Lieber Gottesdienstteilnehmer: Schätze die Kollekte wert!

  • Nutze die Kollekte zur Stärkung deines Glaubens: Christus hat für Dich alles gegeben. Du bist reich beschenkt. Antworte Ihm handfest!
  • Nutze die Kollekte dazu dein Herz in Bezug auf Besitz zu prüfen! Worin liegt deine Sicherheit?
  • Genieße die Kollekte als Teil der Anbetung, die dich in die Gegenwart Christi erhebt!

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